Offzieller Titel der Veranstaltung war dieses Jahr "Was, wenn‘s passiert? Herausforderungen und Perspektiven im Bevölkerungsschutz". Der Hörsaal in Großhadern war gut gefüllt. Dazu kamen rund 100 virtuelle Teilnehmer, die den Vorträgen von zuhause folgten. Eine Industrieausstellung mit Firmen aus dem Bereich Katastrophen- und Zivilschutz rundete den Tag ab.
Auftakt machte Oberstarzt i.G. Dr. Martin Henes, der aus Sicht der Streitkräfte deutlich machte, wie sich die über viele Jahrzehnte eingeübte Situation gedreht hat. Bisher war es üblich, die Bundeswehr bei kleineren oder größeren Katastrophen zu Hilfe zu rufen. Nun steht im Raum, dass Situationen entstehen, in denen die Bundeswehr auf die Unterstützung der Hilfsorganisationen angewiesen sein wird.
Wie diese Zusammenarbeit beübt wird, konnte Dr. Daniel Opitz vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) berichten. Bei der Übung Quadriga, die Februar bis März diesen Jahres in Deutschland und Litauen stattfand, wurde ein militärischer Konflikt an der Nato Ostflanke also ein Bündnis Fall nach Artikel 5 simuliert. Neu dabei war die Teilnahme von Medizinischen Task Forces (MTF) aus dem zivilen Bereich unter der Koordination des BBK. Schwerpunkt bildete dabei die Aufnahme und Verteilung von Patientinnen und Patienten in Deutschland. Die intensive Diskussion nach dem Vortrag zeigte, dass viele Detailfragen noch ungeklärt sind und die einzelnen Akteure noch dabei sind, ihre Rolle in der neuen Situation zu finden.
Auch München, als Großstadt potentiell einer höhere Gefährdung als Gemeinden in der Fläche ausgesetzt, muss den Zivilschutz neu denken. Dabei kämpfen viele Kommunen - am Ende der Kette schließlich für die konkrete Umsetzung aller Konzepte zuständig - schon im Regelbetrieb mit mangelnden Ressourcen und für Zivilschutz ist in der Regel wenig vorgesehen. Christian Zollner, bei der Landeshauptstadt in der "Koordinierungsgruppe Zivile Verteidigung", stellte die aktuellen Planungen vor. München versucht von den aktuellen Krisen zu lernen und setzt dabei zum Beispiel auf Quartierszentren. Einig war Zollner sich dabei mit dem nächsten Referenten bei der Erkenntnis Zizilschutz ist auch Katastrophenschutz: "Vieles von dem, was wir im Zivileschutz tun, hilft uns auch im Katastrophenschutz".
Das Bayerische Rote Kreuz und die ARGE Bevölkerungsschutz in Bayern beschäftigt sich bereits seit 2024 in einem strukturierten Prozess mit der Vorbereitung auf die neue Situationen. Daniel Pröbstl vom Bayerischen Zentrum für besondere Einsatzlagen (BayZBE) stellte diesen Prozess vor und betonte dabei unter anderem besondere Aspekte wie die Sonderrolle des Roten Kreuzes und dessen föderale Struktur.
Oliver Werthes vom Generalsekretariat des Deutschen Roten Kreuzes erweiterte im Anschlussvortrag den Blick auf die Bundesebene. Die besonderen Rahmenbedingungen, denen eine nationale Rotkreuzgesellschaft unterworfen ist, macht es nötig, gewisse Entscheidungen trotz der eigentlich eigenständigen Gliederungen zentral zu treffen, da eine Verletzung der Grundsätze globale Auswirkungen auf die gesamte Rotkreuz und Rothalbmondbewegung haben kann. Eine weitere Herausforderung stellt die Schaffung gleicher Standards dar. Diese sind aber Voraussetzung für eine gute Zusammenarbeit.
Prof. Dr. Bradl, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Katastrophenmedizin konnte im Anschluss die Ergebnisse einer Studie über die Helferverfügbarkeit in Deutschland vorstellen. Fazit: Von 1,7 Millionen benötigten Einsatzkräften stehen realistisch betrachtet nur 44% zur Verfügung. Gründe dafür sind zum Einen Doppenrollen der Helfer:innen sowie oft der Hauptarbeitgeber. Die politischen Forderungen von Bradl: Umfassende Helfergleichstellung, Systematische Erfassung von Doppelrollen, Maßnahmen zur Entlastung besonders belasteter Berufsgruppen und systematische Nachwuchsgewinnung.
Den Abschluß des Tages machten zwei Berichte aus der Praxis: Ein Einsatzbericht vom "Busunfall Ampermoching" durch Dennis Behrendt, den Kreisgeschäftsführer des Kreisverbandes Dachau und Fürstenfeldbruck des Bayerischen Roten Kreuzes und im Anschluss ein Bericht über den Einsatz der Hilfsorganisationen beim Stromausfall in Berlin mit den "Lessons learned". Dr. Rolf Erbe vom Berliner Roten Kreuzes hielt dazu einen kurzweiligen Vortrag.
Die Fachtagung "Führung von Einsatzkräften" ist eine jährliche Tagung des Münchner Roten Kreuzes für Führungskräfte im Katastrophenschutz. Seit dem Jahr 2000 ist die Veranstaltung von einer regionalen zu einer bundesweit vielbeachteten Tagung gewachsen, die auch gerne von Einsatzkräften aus dem benachbarten Ausland besucht wird. Sie dient neben der Wissensvermittlung bei den Fachvorträgen auch der Vernetzung unter den am Katastrophenschutz beteiligten Organisationen. Ergänzt um eine Industrieausstellung, bei der die Teilnehmer:innen direkten Kontakt zu Herstellern und Anbietern im Katastrophenschutz aufnehmen können. Dieses Jahr führte erstmals Dr. Jürgen Terstappen, Kreisbereitschaftsleiter des Münchner Roten Kreuzes, durch die Veranstaltung.


