Rettungsdienst einmal anders
Besonders interessant waren die Unterschiede zwischen dem Rettungsdienst in Südtirol und dem gewohnten System in Bayern. Ausbildung, Qualifikationen und die daraus resultierenden Kompetenzen des Personals sind teilweise anders aufgebaut. Dadurch unterscheiden sich auch die Aufgabenverteilung, die Versorgung der Patienten und die Ausstattung der Rettungswagen.
Genau diese Unterschiede sorgten während der gesamten Woche für einen regen fachlichen Austausch. Die Südtiroler Kolleginnen und Kollegen interessierten sich für die verschiedenen rettungsdienstlichen Ausbildungen in Deutschland und die Kompetenzen beispielsweise von Rettungs- und Notfallsanitätern. Gleichzeitig konnten unsere Mitglieder viel über die Strukturen und Arbeitsweisen in Südtirol erfahren.
Dabei ging es nicht darum, welches System besser oder schlechter ist. Vielmehr war es spannend zu erleben, wie dasselbe Ziel – eine gute Versorgung von Menschen in Not – unter unterschiedlichen Voraussetzungen erreicht wird. Gerade der Blick über die gewohnten Strukturen hinaus bot viele neue Denkanstöße und eine andere Perspektive auf die eigene Arbeit im Rettungsdienst.
Von der Stadt- bis zur Landrettung
Auch die drei Einsatzgebiete hätten unterschiedlicher kaum sein können. In Bozen erlebten unsere Mitglieder vor allem den städtischen Rettungsdienst: mehrere Einsätze, vergleichsweise kurze Anfahrtswege und entsprechend schnelle Wechsel zwischen Wache und Einsatz.
In Gröden zeigte sich dagegen ein ganz anderes Bild. Das ländlich und touristisch geprägte Einsatzgebiet ist deutlich weitläufiger. Damit verbunden sind längere Anfahrts- und Transportwege und teilweise andere Einsatzsituationen. So gehörte während des Dienstes beispielsweise auch die Versorgung eines verunfallten Mountainbikers zum Einsatzgeschehen.
Der Dienst in Meran brachte wiederum neue Eindrücke. Hier begegneten unseren Mitgliedern unter anderem deutlich mehr deutschsprachige Patientinnen und Patienten. Nach den Diensten in den drei Regionen zeigte sich damit eindrucksvoll, wie unterschiedlich Rettungsdienst selbst innerhalb Südtirols sein kann.
Zeit für Bozen und ein besonderer Abschluss
Zwischen den vier Diensten stand am Mittwoch ein freier Tag auf dem Programm. Diesen nutzten die beiden, um Bozen auch abseits von Rettungswagen und Wache kennenzulernen. Unter anderem besuchten sie das Südtiroler Archäologiemuseum.
Was während der gesamten Woche besonders in Erinnerung blieb, war die Gastfreundschaft. Untergebracht waren unsere beiden Mitglieder für die Woche in einem Apartment des Roten Kreuzes in Bozen. Von dort aus ging es zu zwei Diensten in Bozen sowie jeweils einem Dienst in Gröden und Meran. Auf allen Wachen wurden unsere beiden Mitglieder herzlich empfangen. Fahrzeuge, Material und Abläufe wurden ausführlich gezeigt und erklärt und für Fragen sowie den fachlichen Austausch war immer Zeit.
Nach dem letzten Dienst fand die Woche bei einem gemeinsamen Abendessen einen schönen Abschluss. Und selbst danach wartete noch ein weiterer Einblick: Am Samstag ergab sich spontan die Möglichkeit, die Landesnotrufzentrale zu besichtigen und so auch kennenzulernen, was passiert, bevor ein Rettungswagen überhaupt zu einem Einsatz ausrückt.
Nach fünf Tagen ging es schließlich mit vielen neuen Eindrücken zurück nach Bayern. Neben fachlichen Erkenntnissen nehmen unsere beiden Mitglieder vor allem eine andere Sichtweise auf den Rettungsdienst und neue Kontakte mit nach Hause.
Ein großer Dank gilt allen Kolleginnen und Kollegen des Roten Kreuzes Südtirol für die herzliche Aufnahme, die Gastfreundschaft und die Bereitschaft, ihre Arbeit und Erfahrungen zu teilen. Ebenso bedanken wir uns bei allen Beteiligten auf beiden Seiten, die diesen besonderen Austausch möglich gemacht haben.
